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Interviews  Interview: Brilliance-Chef Hartwig Hirtz

»Wir sind kein Billig-Hersteller«



Brilliance ist nach dem Crashtest-Debakel des BS6 nur sehr holprig auf dem deutschen Markt gestartet. Brilliance-Geschäftsführer Hartwig Hirtz über Sicherheit, die neue Fahrzeugpalette und Zukunftspläne der Marke.

 
 Interview zu Brilliance
  
 Interview zu Brilliance  - Foto: Viehmann  Interview zu Brilliance - Foto: Hersteller  Interview zu Brilliance - Foto: Hersteller  Interview zu Brilliance - Foto: Hersteller  Interview zu Brilliance - Foto: Hersteller  Interview zu Brilliance - Foto: Viehmann

<b>?: Was hat Brilliance nach dem Crashtest des ADAC, bei dem der BS6 nur einen Stern bekam, unternommen?

Hartwig Hirtz: An 65 Stellen, darunter an den Schwellern und der A-Säule, wurden dramatische Verbesserungen erreicht. Das geschah in Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Aachen. Wir haben das geänderte Fahrzeug in Barcelona bei IDIADA getestet. Dieses Unternehmen ist ein offizielles Teil des NCAP-Konsortiums. Der Crashtest entsprach exakt dem, den der ADAC durchgeführt hat. Der BS6, wie er ab April 2008 in Deutschland ausgeliefert wird, wird im offiziellen Crashtest mindestens drei Sterne erreichen. Das gilt auch für den BS4 und den BS2.

?: Auch der Innenraum des Wagens wurde oft kritisiert, unter anderem wegen der Verarbeitung und unangenehmer Gerüche.

Hartwig Hirtz: Zur Qualitätsverbesserung stehen wir in ständigem Kontakt mit China. Für deutsche Kunden ist der Geruch der Kunststoffe und Leder teilweise gewöhnungsbedürftig. Auch auf diesem Gebiet werden wir etwas unternehmen.

?: Der BS6 hat einen nicht gerade taufrischen Motor in Mitsubishi-Lizenz. Was darf man in Sachen Motorentechnik von Brilliance in der Zukunft erwarten?

Hartwig Hirtz: Unser Kompaktmodell BS2 bekommt einen 1,6-Liter Benzinmotor, den Brilliance in Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Aachen entwickelt hat. Im zweiten Halbjahr 2008 wollen wir 1,6-Liter cdi-Dieselmotoren mit Partikelfilter einführen, die absolut state-of-the-art sein werden. Im Jahr 2009 steht das Thema Hybrid an. Da der Markt dort aber sehr klein ist, werden wir diese Komponenten nicht selbst entwickeln, sondern einkaufen.

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Keine Konkurrenz für den Golf
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?: Wie sieht sich Brilliance im Vergleich zu deutschen Herstellern, zum Beispiel beim BS2?

Hartwig Hirtz: Der BS2 tritt in natürlich in der Golf-Klasse an, aber unsere Hauptwettbewerber sind eher Hyundai i30 oder Kia Cee’d. Wir sind kein Billighersteller, aber wir definieren uns im Wettbewerb über den Preis. Der BS2 wird mit Vollausstattung – unter anderem Klimaanlage, Radio und Schiebedach – weniger als 12.000 Euro kosten, der BS4 16.900 Euro. BS6 und BS4 kommen im April, der BS2 im September auf den Markt. Für 2008 trauen wir uns in Deutschland 5000 Verkäufe zu, europaweit 15.000.

?: Wie steht Brilliance zur Plagiate-Diskussion bei den chinesischen Herstellern?

Hartwig Hirtz: Wir haben ein eigenständiges Design, und dafür haben wir auch Geld investiert. Der BS6 wurde von Giugiaro designt, der BS4 von Pininfarina. Der Kunde hat keine Plagiate verdient.

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Noch keine flächendeckende Werbung
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?: Wie will Brilliance seine Marketing- und Werbeaktivitäten gestalten? Bislang ist davon noch nicht viel zu spüren.

Hartwig Hirtz: Unser Slogan heißt "Willkommen zuhause". Der Kunde bekommt ein europäisches Auto und europäisches Design. Solange wir noch nicht flächendeckend in Deutschland vertreten sind, werden die Händler lokal Werbung machen. Wenn wir einmal 100 Händler in Deutschland haben, können wir darüber nachdenken, das bundesweit zu entwickeln.

?: Was plant Brilliance für die Zukunft?

Hartwig Hirtz: Im nächsten Jahr haben wir drei Modelle. Noch mehr würde, ehrlich gesagt, die Organisation zum jetzigen Zeitpunkt überfordern. Es gibt Überlegungen, den BS4 auch als Kombi herauszubringen, was hervorragend wäre. In China ist Brilliance Marktführer bei Mini-Bussen und kleinen LKWs. Möglicherweise gelingt es uns, diese Fahrzeuge – in modifizierter Form – auch in Europa anzubieten, zum Beispiel als günstige Transportmittel für Handwerker.

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Text:  Eine eMail an Sebastian Viehmann schicken Auf Artikel linken
Fotos: Viehmann

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